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Die Stosswellentherapie hat ihren Ursprung in der extrakorporalen Stosswellenlithotripsie (ESWL), die klinisch beginnend 1980 zur Zertrümmerung von Nierensteinen eingesetzt wurde. Die extrakorporale Stosswellentherapie wurde Anfang der 90er Jahre für die Behandlung von chronischen Schmerzen und Knochenheilungsstörungen (Pseudarthrosen) durch akustische Wellen eingesetzt.

Generell unterscheidet man die radiale von der fokussierten Stosswellentherapie. In einem pistolenartigen Handstück wird ein Projektil zur Druckerzeugung bei der radialen Druckwellentherapie verwendet. Im Unterschied dazu ist die fokussierte Stosswellentherapie auch in der Lage tiefere Zielstrukturen gezielt und fokussiert zu erreichen. Je nach Hersteller erfolgt die fokussierte Stosswellengenerierung elektrohydraulisch, elektromagnetisch oder piezoelektrisch.

Stosswellentherapie bei Sehnenproblemen
Experimentell verbessert die Stosswellentherapie die Zellproliferation, also das Zellwachstum wie auch die Kollagensynthese von Sehnenzellen (Vetrano M et al. Extracorporeal shock wave therapy promotes cell proliferation and collagen synthesis of primary cultured human tenocytes. Knee Surg Sports Traumatol Arthrosc 2011;19(12):2159-68).

Die fokussierte Stosswellentherapie konnte in mehreren medizinischen Studien nachweisen, dass Sie den Schmerz reduzieren und die Sportfähigkeit verbessern kann.

So zeigt dies beispielhaft eine Untersuchung bei Achillessehnenbeschwerden mit 60 Patienten mit einer 78% Verbesserung nach einem Jahr (Saxena A et al. Extracorporeal pulsed-activated therapy (EPAT sound wave) for Achilles tendinopathy: a prospective study. J Foot Ankle Surg 2011;50(3):315-9.).

Bei Patellasehnenbeschwerden konnte eine Halbierung des Schmerz erzielt werden bei 19 Athleten nach drei Monaten (Zwerver J et al. Patient guided piezo-electric extracorporeal shockwave therapy as treatment for chronic severe patellar tendinopathy: a pilot study. J Back Musculoskelet Rehabil 2010;23(3):111-5.).

Patellasehnenbeschwerden können erfolgreich durch fokussierte Stosswellentherapie behandelt werden.

Bei Rotatorenmanschettensehnenproblemen ist sowohl die niedrig-energetische (0,33mJ/mm2) wie auch die hochenergetische (0,78mJ/mm2) Stosswellentherapie in einer randomisierten Studie effektiv in Bezug auf die Schmerzreduktion gewesen (Schofer MD et al. High- versus low-energy extracorporeal shockwave therapy for rotator cuff tendinopathy: a prospective, randomised, controlled study. Acta Orthop Belg 2009;75(4):452-8.).

Im niedrig energetischen Stosswellentherapiebereich sind regenerative Aspekte mit einer möglichen Stammzellaktivierung potentielle Mechanismen der Selbstheilung. Im hochenergetischen Stosswellenbereich könnte ggf. eine direkte Beeinflussung der in der Power-Doppler-Sonographie nachweisbaren Neogefäße eine Rolle spielen. Entscheidend ist jedoch eine Schmerzlinderung durch die fokussierte Stosswellentherapie.

Im Mittel empfehle ich initial drei bis sechs Sitzungen der fokussierten Stosswellentherapie und Wiederauffrischungen nach sechs Monaten bzw. bis zur Symptomfreiheit.

Fokussierte Stossswellentherapie bei Morbus Dupuytren
Beim Morbus Dupuytren kann das initiale Knotenstadium von den sich später entwickelnden Strängen, die zur Fingerkontraktur führen können, unterschieden werden. Insbesondere die frühe Knotenbildung in der Hohlhand kann zu Schmerzen bei manuellen Tätigkeiten, so beim Schaltwechsel im Auto, beim Halten eines Golfschlägers oder auch beim Händeschütteln führen. Offensichtlich können Schmerznervenfasern in den Dupuytrenknoten nachgewiesen werden, die für den Schmerz im Knotenstadium verantwortlich gemacht werden. Es wird vermutet, dass die Dupuytrenknoten zu einer Nervenkompression und damit zu den Schmerzen führen können (Von Campe et al. Painful nodules and cords in dupuytren disease. J Hand Surg Am 2012;37(7):1313-8).

Diese Beschwerden können durch eine hochenergetische fokussierte Stosswellentherapie deutlich verbessert werden. In einer randomisiert-kontrollierten Studie (DupuyShock) konnte ich nachweisen, dass der Schmerz im Mittel um 30% reduziert und die Lebensqualität um 100-200% verbessert werden kann. Im Mittel empfehle ich initial drei bis sechs Sitzungen und Wiederauffrischungen nach sechs Monaten bzw. bis zur Symptomfreiheit.

Fokussierte Stosswellentherapie bei Morbus Ledderhose
Ähnlich dem Knotenstadium des M. Dupuytren an der Hohlhand kann die Knotenbildung im Hohlfussbereich beim Morbus Ledderhose eine nicht unerhebliche Einschränkung der Befindlichkeit beim betroffenen Patienten bedingen. Bereits das Gehen kann deutliche Schmerzen auslösen, das Laufen kann mitunter gar nicht möglich sein. In Analogie zum M. Dupuytren kann die fokussierte hochenergetische Stosswellentherapie die Schmerzen innerhalb weniger Tage nach Behandlung deutlich zu reduzieren. Im Mittel empfehle ich initial drei bis sechs Sitzungen und Wiederauffrischungen nach sechs Monaten bzw. bis zur Symptomfreiheit.

Fokussierte Stosswellentherapie bei Morbus Peyronie
Der Morbus Peyronie betrifft als Induration penis plastica den Penis. Durch Fibroseansammlungen insbesondere an der Rückseite des Penis kann es zu einer schmerzhaften Verkrümmung des Penis und zu einer deutlichen Einschränkung des Lebensqualität des betroffenen Patienten führen. In Analogie zum Morbus Dupuytren der Hohlhand und dem Morbus Ledderhose der Fußsohle ist beim Morbus Peyronie ebenfalls eine Fibromatose, also eine überschießende Bindegewebsbildung an unerwünschter Stelle die Ursache. Therapeutisch kann die fokussierte Stosswellentherapie die Schmerzen lindern.

Ausgewählte Literatur zur Stosswellentherapie bei M. Peyronie:

  • Gruenwald I et al. J Sex Med 2012;9(1):259-64.
  • Knobloch K et al. Med Hypotheses 2011;76(5):635-7.
  • De Berardinis E et al. Arch Ital Urol Androl 2010;82(2):128-33.
  • Müller A et al. Eur Urol 2008;53(3):635-42.

Im Mittel empfehle ich initial sechs Sitzungen der hochenergetischen fokussierten Stosswellentherapie und Wiederauffrischungen nach sechs Monaten bzw. bis zur Symptomfreiheit.

 

Fokussierte Stosswellentherapie bei Kahnbeinpseudarthrosen
Am 26.10.12 präsentiere ich bei der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie und Orthopädie in Berlin die Ergebnisse unserer Kollaborationsarbeit zwischen der MHH und dem Frederikenstift und Dr. Frank Bätje zur fokussierten hochenergetischen Stosswellentherapie bei Kahnbeinpseudarthrosen.

Ein Bericht hierzu kann an dieser Stelle heruntergeladen werden.